Ausstellung in der Wintringer Kapelle
8. Mai bis 5. Juni 2005

Frühling - ver

Miniaturen von Till Neu
Pèlerinage - mit den Augen pilgern...

Der Rest eines mittelalterlichen Sakralbaus, die Wintringer "Kapelle", ist für einige Zeit mein Arbeitsplatz. Wie schön: ein leerer Raum, reich an Geschichte. Keine Liturgien, keine Geräte, kein Altar. Die Sandsteine des Mauerwerks sichtbar, die Fenster und Türen transparent. Wie waren die Wände einst bemalt? Vielleicht Skulpturen am Westportal? Vertreibung aus dem Paradies? Apokalypse?
Die Kapelle heute: ein kostbares, leeres Gefäß. Die Heilsgeschichte wird nicht mehr gepredigt. Mit einer neuen Offenheit weckt der Bau Empfindungen für seine Geschichte. Er ruft Bilder wach, die sich mit Hoffnungen und Ängsten unserer Gegenwart verbinden. Ein Ort der Melancholie und Inspiration. Dorthin trage ich meine Miniaturen, so groß, daß unsere Augen an ihnen entlangwandern können, so klein, daß die Steinformate der Wände mit ihnen korrespondieren.
Meine Bilder erzählen von einer imaginierten Pilgerreise quer durch die Zeit. Wahrscheinlich lag die Wintringer Kapelle an einem Jakobs-Pilgerweg, der von Speyer nach Metz und am Ende nach Santiago da Compostela führte. Alle durften pilgern: Gläubige und Ungläubige, Arme und Reiche, Frauen, Männer, Kinder. Damals sah man in der Pilgerfahrt auch ein Gleichnis für unsere Lebensreise. Wir begegnen dem Guten, dem Bösen, der Liebe, der Gewalt, dem Frieden und dem Unheil, dem Tod. Vielleicht einigen Gespenstern und flüchtigen Geistern, in unserer Nähe oder in weiter Ferne.
Auf zwölf Wandabschnitten sind ringsum 32 Miniaturen für jene Pèlerinage mit den Augen angebracht. Bilder mittelalterlicher Kunst und Zeichen unserer Zeit können gleichzeitig zu uns sprechen. Leere des Raums und intime Nähe zu den Bildern gehören zusammen....


 Der Schatten des Körpers des Pilgers Oliven/Brot  
     
Sandstein I Alte Wege (ins Paradies)  
     
Labyrinth (Südfranzösischer Fastnachtstanz)  Adam und die Tiere (Teppich von Girona) Rolandkreuz (Roncevalles)
     
Arabische Zonen-Weltkarte (nach Idrisi) Ornament (islamisch) Totentanz (danse macabre)



KulturOrt Wintringer Kapelle

Der "Wintringer Hof" bei Saarbrücken, der heute von der Lebenshilfe Obere Saar e.V. mit behinderten Menschen bewirtschaftet wird, bewahrt den Rest eines mittelalterlichen Sakralbaues, die Wintringer Kapelle. Sie ist eines der wenigen, qualitätsvollen Zeugnisse spätmittelalterlicher Architektur im Saarland.
Die Initiative "KulturOrt Wintringer Kapelle" will einerseits das schöne Bauwerk als historisch-authentisches Dokument präsentieren und zugleich kulturelle Projekte, die dem "genius loci" verpflichtet sind, im Rhythmus des Jahres aufführen.
Verloren geglaubte und in Vergessenheit geratene Zeugnisse aus jener Zeit lassen sich möglicherweise in der Begegnung mit diesem Ort wiedererkennen und als "gegenwärtig" wahrnehmen. Hierin lieg der Schlüssel für das Konzept: Das Mittelalter heute.


Die 12 Veranstaltungen von 2004-2006

1 Frühling - ver (Musik)
2 Sommer - aestas (Literatur und Musik)
3 Herbst - autumnus (Literatur und Musik)
4 Winter - hibernus (Malerei)
5 Frühling - ver (Malerei ) "Pèlerinage - mit den Augen pilgern", Till Neu
6 Sommer - aestas (Medienprojekte)
7 Herbst - autumnus (Musik)
8 Winter - hibernus (Markt und Lichtinszenierung)
9 Frühling - ver (LandArt)
10 Sommer - aestas (LichtZeitSpiele)
11 Herbst - autumnus (Performance)
12 Winter - hibernus (Tanzimprovisation)

Schirmherr:
Stadtverbandspräsident Michael Burkert.

Veranstalter:
Lebenshilfe für Menschen mit Behinderung Obere Saar e.V.,
Gemeinde Kleinblittersdorf,
Stadtverband Sarbrücken

Konzept/Künstlerische Leitung:
Stabstelle Regionalentwicklung Stadtverband Saarbrücken,
Peter M. Lupp
E-Mail: peter.lupp@rvsbr.de
Tel. 0681/506-6140
Internet: Stadtverband-Saarbrücken

 
   
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